Freitag, 23. September 2011

Osnabrücker Jugendchor trifft Christian Wulff und Abdullah Gül

Nur noch eine gute Woche, dann bricht der Osnabrücker Jugendchor im Rahmen des Morgenland Festival Osnabrück zu zwei Gastspielen in die Türkei auf.

Vom 02. - 06. Oktober reisen ca. 50 Jugendliche des Chores nach Izmir, wo sie zusammen mit dem Orchester der Izmir State Opera zwei Konzerte geben: Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit werden am 3. Oktober Werke deutscher und türkischer Komponisten aufgeführt, am 05. Oktober präsentieren Chor und Orchester zum ersten Mal das Oratorium "Yunus Emre" des türkischen Komponisten Ahmed Adnan Saygun.

Eine Kostprobe des Oratoriums ließen sich Bundespräsident Christian Wulff und sein türkischer Kollege Abdullah Gül am 20. September im Osnabrücker Dom geben. Die beiden Präsidenten wünschten dem Chor eine gute Reise in die Türkei.

Was der Chor in Izmir erlebt können Sie wie immer hier in unserem Gastspielblog verfolgen.


Mittwoch, 7. September 2011

MFO@Barenboim-Said Music Conservatory Nazareth


Vom 20. Bis 27. August 2011 waren Schüler der Musik&Kunstschule Osnabrück im Rahmen des Morgenland Festival am Barenboim-Said Music Conservatory in Nazareth zu Gast. Was sie in Israel erlebten erzählen Tilmann Müller, Franca Damsch und Regine Maaß in ihrem Reisetagebuch...

Der Gegenbesuch der Schüler aus Nazareth erfolgt übrigens vom 01. bis 09. Oktober, das Abschlusskonzert des Musikschulaustauschs findet am 09. Oktober um 12.00 Uhr im Treffpunkt im Ameos-Klinikum in Osnabrück statt. 




„Ich war in der Familie Srouji welche 3 Kinder hatte. Diese hießen Ayman, Amer und Sherbel. Sie alle waren jünger als ich und somit fühlte ich mich wie ein großer Bruder.

Ich wohnte mit ihnen in einer mittelgroßen Wohnung in Nazareth von der man alles schnell
Liane Zu’bi und Tilmann Müller
erreichen konnte. Alle waren total nett und hießen mich in der Familie willkommen. Sie behandelten mich wie ihren eigenen Sohn und ich genoss jede Minute. (...)

Die Proben mit Itamar (dem Hornlehrer) und Liane (einer Austauschschülerin, die auch Horn spielt) waren sehr schön und haben richtig viel Spaß gemacht, zudem habe ich auch noch gelernt, wie ich meinen Ansatz verbessern kann. Bei manchen Übungen kam ich mir komisch vor, die Wirkung war jedoch sofort zu spüren.“

Tilmann Müller





Franca Damsch
„Da in der Zeit, die wir in Nazareth verbrachten gerade Ramadan war, hatten wir die Möglichkeit, auch diese sehr beeindruckende religiöse Zeit kennen zu lernen; Dazu gehörte zum Beispiel das tägliche Fasten der islamischen Familien, die Sprechgesänge und Gebete des Muezzins, die besonders in dem Haus meiner Gastfamilie, das nahe einer Moschee stand, aber auch fast überall sonst in dem arabischen Stadtteil zu hören waren. Das hatte auch zur Folge, dass wir beinahe jeden Abend zu einem großen arabischen Essen entweder Verwandte oder Freunde einluden oder eingeladen wurden und so sehr schöne gemeinsame Abende verbringen konnten.

Die Woche machte mir die großen Unterschiede und auch Konflikte zwischen den zwei Religionen - dem Islam und dem Judentum - deutlich. Wir erlebten z.B. sehr starke Kontrollen, besonders gegenüber Arabern, oder Beschimpfungen gegenüber unseren arabischen Freunden. Aufgefallen ist auch, dass das jüdische Viertel, das sehr ordentlich und gepflegt aussieht, sich sehr von dem arabischen Viertel unterscheidet, das geprägt ist von sehr viel Trubel, sowohl auf den Straßen, als auch auf den Märkten und Plätzen, kleinen Gässchen… und eher weniger geordnet wirkt. (...)

Wir machten zusammen mit den israelischen Schülern viel Kammermusik. In verschiedenen Kombinationen übten zum Beispiel die zwei Hörner zusammen, ein Horn mit einer Trompete, Flöte mit Klavier oder Klavier vierhändig. Es war also nicht nur die englische Sprache, mit der wir uns verständigten, sondern auch die Sprache der Musik, mit der man sehr viel zum Ausdruck bringen kann. Im Laufe der Woche haben wir unsere israelischen Freunde immer besser kennen gelernt, haben uns nicht nur auch außerhalb der Probezeit getroffen und etwas unternommen, wenn dafür noch Zeit blieb, und uns immer mehr lieb gewonnen, sondern sind auch auf den Instrumenten immer mehr zusammen gewachsen, sodass am Ende der Woche ein schönes Konzert entstand.

Ausschlaggebend war allerdings für mich, und ich denke auch für die anderen, nicht das Konzert, sondern der Weg dahin: Die Freundschaften, die sich geschlossen haben, das gemeinsame häufig sehr lange Üben und Musizieren und der Spaß, den wir dabei hatten, sowie das Bemühen unserer Musiklehrer. Ich bin froh, so etwas Tolles und Außergewöhnliches erlebt haben zu dürfen und der Abschied fiel uns schwer.“

Franca Damsch






Regine Maaß
„Israel kennen lernen, dass hieß für mich, die Menschen, die Kultur, die Religion, die Landschaft und das Essen zu erfahren. Mit meiner Gastfamilie konnte ich selbstverständlich nur Englisch reden, auch das gab einem das Gefühl, in einer vollkommen anderen Welt zu sein. Denn Israel und Deutschland sind sehr verschieden. Schnell fiel einem zum Beispiel auf, dass in Nazareth viel mehr Kinder umhersprangen als in Osnabrück. Und die Landschaft ist natürlich in Gegensatz zu Osnabrück sehr trocken und staubig, jedoch einzigartig. Man sah nicht viel grün, eher braun und gelb, doch überall waren Palmen, Oliven und Granatapfelbäume sowie Dattelbäume. Dementsprechend war es die ganze Woche über sehr heiß und die Sonne brannte unbarmherzig auf uns herab, wie es typisch für den Sommer in Israel ist. (...)

Israel ist insgesamt einfach unglaublich schön und ganz anders als alles was ich bisher kennengelernt habe. Wie so typisch konnte ich auf das Dach des Hauses meiner Gastfamilie gehen, von dort aus auf ganz Nazareth blicken und dem Muezzin zuhören, der Sänger, der die Muslime fünfmal täglich zum Gebet aufruft. Auch das war eine tolle Erfahrung, den Sprechgesang so direkt am eigenen Leib zu erfahren.

Die politische Situation in Israel ist natürlich nicht zu vergleichen mit Deutschland. Im Gazastreifen leben die Menschen in Armut und in ständiger Angst. Auch im Süden kam es gerade wieder zu Anschlägen und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Im Norden ist die Lage viel ruhiger. Ich habe keine einzige brenzlige Situation erlebt. Natürlich wurde viel kontrolliert, gerade auch bei unserem Ausflug nach Jerusalem, deshalb mussten wir als Ausländer immer und unbedingt unseren Pass dabei haben. Was man schon oft gemerkt hat, war, dass Araber und Juden sich sehr feindselig gegenüberstehen. (...)

Neben dem Kulturaustausch stand natürlich die Musik im Mittelpunkt. Wir probten viele Stunden täglich und gaben am letzten Tag vor überwiegend Familie und Bekannten unser Abschlusskonzert. Es war der gemeinsame Wunsch, Musik zu machen, der uns verband und von Anfang an für eine sonst nicht so selbstverständliche Offenheit untereinander sorgte. Neben den Solostücken machten wir auch sehr viel Kammermusik, dann immer ein Israeli und ein Deutscher zusammen. Es hat großen Spaß gemacht und uns alle zusammengeschweißt.

Regina Maaß


Weitere Israel-Impressionen


















(c) Photos: Birgit Mechsner, Scott Swope